(Kalter) Krieg

Politik

(Kalter) Krieg

Vom „Dekret über den Frieden“ im Oktober 1917 bis hin zu Gorbatschows „Null-Lösung“ 1987 waren zunächst Frieden, dann Abrüstung Schlüsselthemen in der kommunistischen Propaganda. Die Realität gestaltete sich jedoch wesentlich komplizierter. Während die UdSSR nach ihrem Selbstverständnis den Kampf gegen den Militarismus anführten - der im Rahmen des Kalten Krieges vom „amerikanischen Imperialismus“ verkörpert wurde – vergrößerten und stärkten sie ständig die Rote Armee. Dies wurde mit der Gefährdung durch Einkesselung gerechtfertigt. Darüber hinaus bildete sie mit dem Warschauer Pakt, der 1955 von den Volksrepubliken unterzeichnet wurde, einen entsprechenden Schutzschild. Verblendet vom Sieg über den Nationalsozialismus ging die UdSSR sogar so weit, ein pazifistisches Motiv zu einem der Grundpfeiler ihrer Ideologie zu entwickeln und erklärte sich selbst zum internationalen Fahnenträger des Friedens. Zwar mobilisierte dieses Motto viele überzeugte Partisanen, doch führte es auch zu einigen ernsten Zweifeln, da es die UdSSR nicht bei der Notwehr beließ: Aufgrund der Rivalität mit dem Westen stattete sich die UdSSR mit einem überbordenden Waffenarsenal aus, wurde zu einer atomaren Supermacht und zögerte nicht, ihre Einflusszone zu verteidigen oder auch auszuweiten; und das mit bewaffneten Streitkräften. In den späten 1970er Jahren verstärkte die UdSSR exponentiell ihre direkten und indirekten militärischen Interventionen. Sie befürwortete das Eingreifen Kubas in Angola, unterstützte die marxistische Guerillabewegung in Mosambik, schritt direkt im Horn von Afrika ein - zuerst auf der Seite der Somalis, dann an der Seite von General Mengistu in Äthiopien - und vor allen Dingen war der Staat 1979 stark in Afghanistan involviert. So entstand eine offenkundige Diskrepanz zwischen den Propagandaplakaten und -bewegungen innerhalb des Ostblocks einerseits - mit ihren pazifistischen Nachrichten, die auch mit dem allmählichen Enden des Kalten Krieges praktisch unverändert blieben - und andererseits politischen Aktionen, die weniger in diese Linie paßten bzw. sogar in völligem Widerspruch zum offiziellen Diskurs standen. Dies wird beispielsweise anhand der Aufstellung der SS-20 Raketen deutlich, mit der die europäische Krise der Raketenstationierung in den späten 70er Jahren begann. So konnte das Thema des Pazifismus im kommunistischen Block auch dazu verwendet werden, um eine Meinungsverschiedenheit auszudrücken.

Themenarchiv

Sowjetisches Propagandaplakat aus der Zeit der europäischen Krise zur Zeit der Raketenstationierung 1979

Durch die NATO zwängen die USA Westeuropa ihre Raketen auf und geben „der russischen Bedrohung” die Schuld.

Land: Sowjetunion / Jahr:

Durch die NATO zwängen die USA Westeuropa ihre Raketen auf und geben „der russischen Bedrohung” die Schuld. Auf der Gipfelkonferenz der NATO im Dezember 1979 wurde beschlossen, Raketen in Westeuropa zu stationieren, die in Richtung Osten zeigen würden. Die UdSSR denunziert diese Entscheidung als ein neues Beispiel des amerikanischen Imperialismus. Tatsächlich machte sich die UdSSR selbst zwei Jahre zuvor Schlupflöcher des SALT I Abrüstungsabkommen von 1972 zu Nutze, um auf ihrem eigenen Territorium SS-20 Mittelstreckenraketen zu stationieren. An diesem Punkt traten die Westeuropäer in Verhandlungen mit den USA und der NATO. Die Sowjetunion sollte so dazu gebracht werden, ihre Raketen zurückzuziehen. Würde sich dies nicht umsetzen lassen, sollten Marschflugkörper und Pershing II auf europäischem Boden stationiert werden, um damit eine Antwort auf die sowjetischen Raketen zu bieten. Daraus entwickelte sich die Krise der Raketenstationierung. Schließlich konnte mit der Wahl Gorbatschows zum Generalsekretär im Jahr 1985 und der Unterzeichnung des Washingtoner Vertrags (INF-Vertrag) 1987 eine Vereinbarung getroffen werden, die zum Abbau aller stationierten Raketen in Europa führte.

Sowjetisches Plakat, das US-Präsident Ronald Reagans „Star Wars"-Projekt als das jüngste Beispiel für den amerikanischen Imperialismus kritisiert

„Das gleiche alte Produkt in neuer Verpackung"

Land: Sowjetunion / Jahr:

„Das gleiche alte Produkt in neuer Verpackung" Das Weltraumwettrennen war ein beliebtes Schlachtfeld zwischen den USA und der UdSSR während des Kalten Krieges. Mit der Wahl von Ronald Reagan - der unter dem Motto „America is back," (Amerika ist zurück) kandidierte, – intensivierte sich die Rivalität im Jahre 1980 zwischen den beiden Großmächten noch mehr: Der amerikanische Präsident startete ein gigantisches Rüstungsprogramm mit dem Namen SDI (Strategische Verteidigungsinitiative), besser bekannt als „Star Wars". Die Idee bestand darin, ein Netzwerk aus Satelliten einzusetzen, die sowjetische Raketen erkennen und vernichten sollten, bevor diese ihre Ziele erreichen konnten. Diese Wiederaufrüstung gab der UdSSR die Chance, wieder einmal mit dem Finger auf die Kriegstreiberei der amerikanischen Supermacht zu zeigen.

Friedenskampagne in der UdSSR Mitte der 1980er Jahre, die die Geschichte zweier kleiner Mädchen erzählt, der Amerikanerin Samantha Smith und der Russin Katia Lycheva.

1983 wurde das zehnjährige Mädchen Samantha Smith in die UdSSR eingeladen, nachdem sie einen Brief an Juri Andropow geschrieben hatte ...

Land: / Jahr:

1983 wurde das zehnjährige Mädchen Samantha Smith in die UdSSR eingeladen, nachdem sie einen Brief an Juri Andropow geschrieben hatte, in dem sie ihre Besorgnis über die Möglichkeit eines Krieges zwischen den USA und der UdSSR geäußert hatte. Ihr Aufenthalt löste ein Medienspektakel aus. Als Antwort darauf lud man das russische Mädchen Katya Lytcheva in die USA ein, die so auch zu einer jungen Friedensbotschafterin wurde. Im Kontext der zunehmenden Spannungen (Einmarsch der UdSSR in Afghanistan, europäische Krise der Raketenstationierung) wirkten beide Mädchen in Friedenskampagnen auf beiden Seiten des Atlantiks mit.

Foto der Aktion „Schwerter zu Pflugscharen": eine symbolische Aktion während der Konferenz für Frieden und internationale Abrüstung auf dem Lutherhof Wittenberg 1983

Die Devise der Verteidigung des Friedens wurde vielfach von der kommunistischen Ostblockpropaganda während des Kalten Krieges eingesetzt. Protestbewegungen bedienten sich daher geschickt des Mottos ...

Land: Deutsche Demokratische Republik / Jahr:

Die Devise der Verteidigung des Friedens wurde vielfach von der kommunistischen Ostblockpropaganda während des Kalten Krieges eingesetzt. Protestbewegungen bedienten sich daher geschickt des Mottos, wenn sie die Behörden kritisieren wollten. Während die europäische Krise zur Zeit der Raketenstationierung in den späten 70er und frühen 80er Jahren pazifistische Bewegungen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs in Deutschland - ein Land, das besonders bedroht war - beflügelte, war die Meinungsfreiheit in anderen Ostblockländern so eingeschränkt, dass die Bewegung darauf zurückgriff, den biblischen Ausdruck, „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umwandeln" (Micha 4:3 und Jesaja 2:4) aktiv umzusetzen. Diese symbolische Aktion wurde 1983 während eines Friedenstreffens mit rund 4.000 Menschen auf dem Wittenberger Lutherhof durchgeführt und war äußerst medienwirksam inszeniert. Einer der Teilnehmer des Protests, sowohl gegen Wiederbewaffnung als auch gegen die Militarisierungspolitik der DDR-Behörden, war der Theologe Friedrich Schorlemmer, ein angesehenes Mitglied der DDR-Bewegung für Frieden, Menschenrechte und Umweltschutz. Dieses Treffen zeigt das Bedürfnis von politischen Dissidenten, den Schutz der Kirche zu suchen – der einzigen Institution, die sich zumindest eine begrenzte Autonomie erhalten hatte.

Interviews mit russischen Soldaten, die 1987 aus Afghanistan zurückgekehrt sind I

Am 27. Dezember 1979 marschierten die sowjetischen Truppen in Afghanistan ein: Es war das Ende von zehn Jahren Entspannungspolitik zwischen den beiden Blöcken.

Land: Sowjetunion / Jahr:

Am 27. Dezember 1979 marschierten die sowjetischen Truppen in Afghanistan ein: Es war das Ende von zehn Jahren Entspannungspolitik zwischen den beiden Blöcken. Zum ersten Mal seit 1945 intervenierte die Rote Armee jenseits der Zone, die von ihr direkt kontrolliert wurde. Diese Intervention löste eine Welle der Empörung im Westen aus und war der Beginn eines Krieges, der zehn Jahre dauern und mehr als einer Million Afghanen das Leben kosten würde. Afghanische Widerstandskämpfer (die Mujahedin) bekämpften russische Helikopterraketen und Antipersonenminen mit ihren Maschinengewehren - die Schäden, die sie ihnen zufügten, wurden von den Sowjets geheim gehalten. Doch die sowjetische Armee und die sowjetische Gesellschaft, weigerte sich, den Preis des Sieges zahlen. Insgesamt 630.000 Sowjets, zum größten Teil Soldaten niedrigen Ranges, kämpften in Afghanistan: 13.000 von ihnen verloren ihr Leben, und weitere 54.000 wurden verletzt. Der Konflikt in Afghanistan - die „blutige Wunde" (Michail Gorbatschow) - beschleunigte den Zusammenbruch des sowjetischen Systems. In dem Sinne, dass es ein schwerer und kostspieliger Krieg war, bei dem die kämpfenden Männer nie wirklich verstanden hatten, warum sie da waren und obwohl sie nicht wirklich eine Niederlage erlitten, ist er vergleichbar mit der Bedeutung des Vietnamkriegs für die USA.

Propagandafilm über den Erfolg der Apollo-Sojus-Mission

Im Rahmen der Entspannungspolitik, symbolisiert durch die Schlussakte von Helsinki, schlugen die Amerikaner eine gemeinsame Weltraummission vor ...

Land: Sowjetunion / Jahr:

Im Rahmen der Entspannungspolitik, symbolisiert durch die Schlussakte von Helsinki, schlugen die Amerikaner eine gemeinsame Weltraummission vor, einschließlich einer Kopplung der Apollo- und Sojus- Raumschiffe im All in einer Höhe von 250 km. Am 17. Juli 1975 schüttelten der Astronaut Thomas Stafford und der Kosmonaut Alexis Leonow die Hände im Weltraum. Zusätzlich zu der hier vorliegenden technischen Herausforderung war die Begegnung ein auffälliges Zeichen der Entspannung zwischen den beiden Supermächten. Dennoch sollte es weitere 20 Jahre dauern, bevor es zu einem weiteren russisch-amerikanischen Händeschütteln im All kam – als die Atlantis an die russische Raumstation MIR im Jahr 1995 andockte.

Sowjetischer Propagandafilm von 1982 über die offensive Militärpolitik von Präsidenten Reagan.

Nach dem Höhepunkt der Entspannungspolitik auf der Helsinki-Konferenz von 1975, entwickelte sich seit 1979 allmählich wieder Unstimmigkeit.

Land: Tschechoslowakei / Jahr:

Nach dem Höhepunkt der Entspannungspolitik auf der Helsinki-Konferenz von 1975, baute sich seit 1979 langsam wieder Spannung im Kalten Krieg auf. Trotz der Verträge SALT I (1979) und SALT II (1979) zur nuklearen Abrüstung, hatte das Wettrüsten wieder begonnen. Als Antwort auf sowjetischen SS 20-Raketen, die in der UdSSR stationiert wurden, wurden amerikanische Pershing-Raketen in Westeuropa stationiert und US-Präsident Ronald Reagan startete das „Star Wars"-Programm im Jahr 1980. Die sowjetische Propaganda nutzte dies als Chance, die sogenannte Schdanow-Doktrin zu wiederholen, die zurückgeht auf den berühmten Bericht Schdanovs, Stalins rechter Hand, im Jahre 1947. Darin richtet er sich an die europäischen kommunistischen Parteien und verurteilt den „expansiven Kurs der Vereinigten Staaten", die demnach „die Errichtung der Weltherrschaft" anstrebten. Dieser Film behauptet zudem, der Hauptrivale der Sowjetunion sei eine Bedrohung für den Weltfrieden, den die UdSSR selbst dagegen seit Ende des zweiten Weltkrieges verteidigen würde.